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Copyright

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Zur Frage des Urheberrechts­schutzes
für textkritische Ausgaben
des griechischen Neuen Testaments

Die Deutsche Bibelgesellschaft hat die Frage der Schutzfähigkeit ihrer Ausgaben des Griechischen Neuen Testaments (Greek New Testament, 4th rev. edition und Nestle-Aland, 27. Auflage) nach deutschem bzw. amerikanischem Urheberrecht juristisch ausführlich prüfen lassen. Dabei wurde diese Frage sowohl im Hinblick auf die jeweilige nationale Gesetzeslage als auch auf die jeweilige aktuelle Rechtssprechung rechtsgutachterlich untersucht.

Diese Prüfung durch externe, unabhängige Fachexperten kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl der griechische Bibeltext der genannten Ausgaben – der so genannte Obertext – als auch ihr textkritischer Apparat urheberrechtlichen Schutz genießt, und zwar sowohl nach deutschem als auch nach US-amerikanischen Urheberrecht.

Die urheberrechtliche Schutzfähigkeit ergibt sich aus dem Maß an Originalität und Kreativität, das in den beiden genannten Ausgaben zur Geltung kommt, und zwar sowohl im Hinblick auf den Obertext als auch auf den Apparat. In beiden Fällen handelt es sich…

  • weder um eine Wiedergabe einzelner antiker Handschriften;
  • noch um eine quasi mechanisch erfolgte Zusammenstellung von Lesarten im Sinne einer reinen Fleißarbeit;
  • noch um eine automatisierte Auswahl und Anordnung von Lesarten (z.B. durch ein Computerprogramm oder andere automatisierte Vorgänge).

Vielmehr liegt sowohl der Konstitution des Obertextes als auch der Zusammenstellung des textkritischen Apparates eine kreative wissenschaftliche Leistung zugrunde, die Originalität für sich beanspruchen kann. Dies wird u.a. aus der Tatsache ersichtlich, dass verschiedene Wissenschaftler, die sich der Aufgabe der Textrekonstruktion widmen, dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Die Entscheidung, welche Lesart für den Obertext ausgewählt wird, ergibt sich also keineswegs zwangsläufig. Zwar folgt die Auswahl allgemeinen wissenschaftlichen Grundsätzen, in der konkreten Entscheidung ist sie jedoch individuell und subjektiv. Folglich ist der Prozess der Textrekonstruktion ebenso wie die Erstellung des textkritischen Apparates ein kreativer Vorgang, der ein Werk mit Originalität schafft.

Die Anforderung an den Grad von Originalität, den ein Werk erfüllen muss, um urheberrechtlichen Schutz zu genießen, unterscheidet sich nach US-amerikanischem und deutschem Urheberrecht (in den USA sind die Anforderungen geringer). Nach den Gesetzen und der Rechtssprechung beider Länder sind  aber auch Sammlungen und Zusammenstellungen von urheberrechtlich nicht geschütztem Material ausdrücklich schutzfähig, sofern sie nicht rein mechanisch oder automatisiert erstellt wurden, sondern ihnen eine individuelle Auswahl, Gewichtung und Kategorisierung zugrunde liegt (vgl. § 103 Copyright Act bzw. §§ 2, Abs. 1 Nr. 1, 3 Urheberrechtsgesetz). Dies trifft für die genannten Ausgaben offensichtlich zu, sodass ihre Schutzfähigkeit nach US-amerikanischem wie nach deutschem Recht zweifelsfrei gegeben ist.

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