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Bibelgarten auf 150 Quadratmetern

Idee

Das Interesse an biblischen Geschichten soll durch Anschaulichkeit immer wieder neu geweckt werden. Ein Beitrag dazu ist, Pflanzen der Bibel als lebendige Objekte vor Augen zu führen. Menschen können über die Pflanzen zum Text finden oder einen Bibeltext durch das Wissen über die Pflanzen und ihre Verwendung besser verstehen.

 

Konzept

Es soll ein für eine Gemeinde handhabbarer Garten angelegt werden, also sowohl von Größe und Bewirtschaftung her er angemessen und von der Zugänglichkeit her für alle Gruppen und Interessierte offen. Gleichzeitig soll er möglichst die wichtigen Pflanzen enthalten. Er soll aber nicht einfach eine Pflanzenschau bieten, sondern soll die biblischen Geschichten zu den einzelnen Pflanzen den Menschen nahe bringen. Dies geschieht durch eine kassettengeführte Tour mit dem Walkman. Eintritt wird nicht erhoben; es wird aber um eine Spende zum Erhalt des Gartens gebeten.

 

Zielgruppe

Zunächst ist der Garten für die Menschen aus der eigenen Gemeinde da, Menschen aller Altersgruppen, als einzelne oder als Gemeindegruppe. Der Garten der ostfriesischen Kirchengemeinde Holtrop, von dem diese Projektidee ausgeht, steht grundsätzlich jederzeit für alle Besucher offen, er liegt in einem nicht abgeschlossenen Gelände hinter dem Gemeindehaus. Er wird seit der Eröffnung im Jahr der Bibel 2003 von Einzelgästen und Gruppen aus ganz Ostfriesland besucht. Eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Gastronomie soll auswärtigen Besuchern die Möglichkeit bieten, den Besuch mit einer Teepause zu verbinden.

 

Umsetzung

Projektidee und -erfahrung

Natürlich muss ein geeignetes Gelände zur Verfügung stehen. Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Holtrop hat mit ihrer Realisierung aber gezeigt, dass 150 Quadratmeter ausreichen, also kein Parkgelände zur Verfügung stehen muss. Trotzdem ist das Projekt für eine Einzelgemeinde recht groß, die Anschaffung der Pflanzen und eine fachgerechte Gartenanlage kosten Geld. Die regulär laufende Gemeindearbeit sollte dadurch aber nicht eingeschränkt werden. Daher wurden bereits vorab für die Finanzierung Sponsoren und Spender gesucht. Ermöglicht wurde das Projekt schließlich durch Gelder der Ostfriesischen Bibelgesellschaft, des Kirchenkreises Aurich, der VR-Stiftung der Volksbanken-Raiffeisenbanken sowie durch "Pflanzenpatenschaften" und Einzelspenden.

Ansprechbar für genauere Informationen ist der

Pfarramt der Evang.-lutherischen Kirchengemeinde Holtrop
Kapellenweg 8
26629 Großefehn
E-Mail: Kirche.Holtrop(at)web.de

 

Durchführung

Geplant und realisiert wurden mehrere Gartenbereiche: ein Bereich "Schöpfung" mit Granatapfelbäumchen, Feigenbäumen und Bachlauf; ein Bereich "Handels- und Nutzpflanzen" mit Oliven, Myrrhe, Aloe, Färbepflanzen, Flachs usw.; ein landwirt-schaftlicher Bereich mit Weizen, Bohnen, Lauch u.a.m.; eine "Wüste" mit Ginster und eher spärlicher Bepflanzung sowie einen "heilsgeschichtlichen" Bereich mit einem Mandelbäumchen, einer Palme, Ysop und Wein.
Die Durchführung geschah mit fachkundiger Beratung und Anleitung durch eine Gärtnerei, jedoch im Wesentlichen in ehrenamtlicher Eigenleistung. An etwa zehn Arbeitstagen wurden von zwei Mitarbeitern der Gärtnerei und zusammen etwa zwanzig ehrenamtlichen Helfern der Boden vorbereitet, Trockenmauern gesetzt, ein unkrautunterdrückendes Vlies verlegt, Sand und heller Kies für eine wüsten-ähnliche Optik ausgebracht, ein Bachlauf und ein Teich gestaltet und schließlich die Pflanzen eingesetzt.
Zur Information der Besucher wurde eine Broschüre entworfen, die die einzelnen Pflanzen kurz botanisch und in ihren biblischen Zusammenhängen vorstellt. Außerdem wurde zu Werbezwecken (Verteilung an Multiplikatoren, Auslage bei der Touristen-Information usw.) ein farbiges Faltblatt mit Erst-Informationen über den Garten erstellt und gedruckt.
Der Clou des Holtroper Bibelgartens ist jedoch eine kassettengeführte Tour mit kleinen Hörszenen und erklärenden Zwischentexten. Die Texte wurden von den Pastoren Andreas und Viola Chrzanowski entworfen und von 20 Ehrenamtlichen aufgesprochen - beteiligt waren sowohl gemeindenahe als auch fernstehendere Menschen. Musikalisch unterlegt, mit "Soundeffekten" versehen und gemischt wurden sie von Pastor Andreas Chrzanowski.
Die Hörkassetten bringen die biblischen Geschichten, die hinter den Pflanzen stehen, zum Klingen. Auf diese Weise laufen die Besucher nicht einfach kurz durch den Garten und werfen einen schnellen Blick in die Pflanzenbroschüre, sondern lauschen den biblischen Geschichten, während der Blick über die dazugehörigen Pflanzen streift. Durch Sitzgelegenheiten im Garten ist diese rund 40-minütige Walkman-Tour auch für ältere Menschen angenehm zu hören. Viele Besucher empfinden die Tour auf diese Weise als ein meditatives Erlebnis.
Damit der Bibelgarten nach dem einmaligen Besuch nicht langweilig wird, sondern immer wieder auf die Entdeckung biblischer Geschichten neugierig macht, ist die Ausarbeitung weiterer Touren geplant.

 

Erfahrungen

Neben dem bereits erwähnten Besucherinteresse aus der gesamten Region ist anzumerken, dass die Pflanzen den ersten ostfriesischen Winter wie angegeben überlebt haben. Die Erfahrungen eines örtlichen Staudengärtners sollten aber in der jeweiligen Region mit ihrem Klima eingeholt werden. Auch müssen die jeweiligen Überwinterungsmöglichkeiten (zwei Temperaturbereiche: kalte und wärmere Überwinterung) geklärt sein.

 

Die Pflanzen des Bibelgartens

- ihre Überwinterung in Deutschland und einige Anmerkungen zu ihren biblischen Vorkommen Ausgepflanzt und winterhart bis -12°:
Granatapfel (Punica granatum)
Eine köstliche Frucht voller saftiger roter Samen. Im Hohenlied (4,3) wird der Granatapfel als Symbol für Schönheit und Fruchtbarkeit besungen.
Feige (Ficus carica)
Olive / Ölbaum (Olea europaea)
Der Olivenzweig, den die Taube brachte, war für Noah das Zeichen, dass die Wasser der Sintflut sich verlaufen hatten (Genesis/ 1.Mose 8,11).
Hundsrose (Rosa canina)
Weiße Lilie (Lilium candidum)
Alraune / Herbstmandragora (Mandragora autumnalis)
Brennessel (Urtica urens)
Aloe (Aloe vera) (ältere Pflanzen)
Aloe verwendete man zu vielerlei Zwecken: Als Duftstoff, in der Heilkunde und zur Einbalsamierung von Toten. So brachte Nikodemus nach Jesu Tod "eine Mischung von Myrrhe und Aloe, ungefähr hundert Pfund" (Johannes 19,39-40).
Färberröte / Färberkrapp (Rubia tinctorum)
Pinie (Pinus Pinea)
Vermutlich ist mit dem von Luther als "Steineiche" übersetzten Wort (Jesaja 44,14) die Pinie gemeint: ein bis zu 30 Meter hoher, schirmartig wachsender Nadelbaum, in dessen Zapfen sich essbare Samen befinden.
Zypresse (Cupressus sempervirens)
Die Zypresse ist eine von mehreren Nadelbaumarten, deren Holz zum Bauen von Häusern und Schiffen verwendet wurden (1.Könige 9,11; Ezechiel 27,3-5).
Apfelbaum (Malus sylvestris)
Schilf (Phragmites australis)
In der Bibel wird Schilf als Bild für Schwankendes und Zerbrechliches gebraucht (1.Könige 14,15; 2.Könige 18,21).
Sumpfbinse (Scirpus lacustris)
Rohrkolben (Typha)
Ginster (Retama raetam / Spartium junceum)
In den Wüsten Israels spendet der weiße Ginster einen spärlichen Schatten, unter dem sich Elia auf der Flucht vor Königin Isebel den Tod wünschte (1.Könige 19,4).
Syrischer Ysop (Origanum syriacum)
Der europäische Ysop (Hyssopus) ist in Israel nicht heimisch. Es handelt sich also vermutlich um den Syrischen Ysop, der auch heute noch als Tee und Gewürz ver-wendet wird. Mose fordert die Ältesten Israels auf, ein Büschel Ysop zu benutzen, um das Blut des Passalamms auf die Haustüren zu streichen (Exodus/ 2.Mose 12,22)
Mandelbaum (Amygdalus communis / Prunus dulcis)
Weinrebe (Vitis vinifera)

Einjährig sind:
Mariendistel (Silybum marianum) Kugeldistel (Echinops viscosus)
Im Schweiße seines Angesichts soll der Mensch seinen Acker bestellen, Dornen und Disteln sollen darin wachsen (Genesis/ 1.Mose 3,18). - Mit ihrem schlanken Wuchs könnten diese Disteln von Gideon als Peitsche benutzt worden sein (Richter 8,7.16).
Klatschmohn (Papaver rhoeas)
Hundskamille (Anthemis)
Kronenmargerite (Chrysanthemum coronarium)
Diese drei schnell verblühten Blumenarten könnten die "Blumen des Feldes" sein, die Jesaja (40,6.8) als Bild für die Vergänglichkeit des Menschen benutzt.
Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria)
Flachs (Linum usitatissimum)
Flachs wurde zu biblischer Zeit intensiv angebaut, seine Fasern zu Stoffen (Leinen) verarbeitet. Jesu Leib wurde nach seinem Tod in Leinenbinden gelegt (Joh 19,40).
Baumwolle (Gossypium herbaceum)
Rizinus (Ricinus communis)
Dill (Anethum graveolens)
Kreuzkümmel (Cuminum cyminum)
Schwarzkümmel (Nigella sativa)
Seit biblischer Zeit wird Schwarzkümmel als Gewürz angebaut. Auch heute noch wird der Same aufs Brot gestreut. Bei Jesaja (28,27) wird eine genaue Anweisung gegeben, wie Kreuzkümmel (bei Luther übersetzt als "Dill"), Kümmel und Getreide nach der Ernte bearbeitet werden.
Hartweizen (Triticum durum)
Gerste (Hordeum vulgare)
Rispenhirse (Panicum miliaceum)
Sorghum (Sorghum bicolour)
Unter den Getreidearten war in nachexilischer Zeit die Hirse und das mit der Hirse verwandte Sorghum verbreitet. Der Prophet Ezechiel (4,9) bekommt den Auftrag, sich aus Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen und Hirse Brot als Vorrat zu backen.
Linse (Lens culinaris)
Puffbohne (Vicia faba)
Lauch (Allium porrum)
Zwiebeln (Allium cepa)
Knoblauch (Allium sativum)
Wassermelone (Citrullus lanatus)
Melone (Cucumis melo)
"Wie eine Nachthütte im Gurkenfeld" ist die "Tochter Zion" einsam übriggeblieben (Jesaja 1,8) - nach Luthers Übersetzung: Luther kannte vermutlich keine Melonen - und die Menschen in biblischer Zeit keine Gurken. Es waren Melonenfelder, die in einfachen, aus Zweigen gefertigten Hütten bewacht wurden.
Feldrauke (Eruca sativa)
Koriander (Coriandrum sativum)

Kühle Überwinterung (Wintergarten bei +5 / +10°):
Oleander (Nerium oleander)
Gewürz-Lorbeer (Laurus nobilis)
Paulus kannte offenbar die griechische Sitte, den Sieger eines Wettlaufs mit einem Lorbeerkranz zu krönen (1.Kor. 9,25).
Zitronatzitrone (Citrus medica)
Zistrose (Cistus incanus) (sortenabhängig)
Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)
Ingwergras (Cymbopogon martini)
Citronellagras (C. citrates)
Dattelpalme (Phoenix dactylifera)
Myrte (Myrtus communis)
Die Myrte ist keine Wüstenpflanze, sondern ein immergrüner Busch, dessen Zweige in biblischer Zeit bei festlichen Anlässen verwendet wurden. Bei Jesaja (41,19) wird verheißen, dass Gott einmal in der Wüste Myrten und andere grüne Pflanzen wachsen lassen wird.

Wärmere Überwinterung (> + 10°):
Myrrhe (Commiphora abyssinica /C. myrrha)
In der Bibel ist die Myrrhe das wertvollste Harz, das zu Öl und in der Heilkunde verwendet wurde. Die Weisen aus dem Morgenland brachten Myrrhe als Geschenk für den neugeborenen König (Matthäus 2,11).
Hennastrauch (Lawsonia inermis)
Papyrus (Cyperus papyrus)
Der dreieckige Stengel des Papyrus wurde schon in Ägypten zur Herstellung von Matten, Seilen, Booten, Schuhen, Hütten, Kleidung und Papier verwendet. Auch das Körbchen des Mose war vermutlich aus Papyrus geflochten (Exodus/ 2.Mose 2,3).
Dorniger Kapernbusch (Capparis spinosa)

 

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