Schriftgröße: A A A

Viele Völker - ein Buch

Idee

Christen aus aller Welt leben bei uns, oft ganz in der Nähe. Die Bibel verbindet uns. Dies soll im sonntäglichen Gottesdienst deutlich werden.

 

Konzept

Das ganze Jahr über lädt die Gemeinde Christen aus aller Welt, die am Ort oder in der Region leben, in ihren Gottesdienst ein. Zweimal im Monat liest jeweils eine oder einer von ihnen die Lesung des jeweiligen Sonntags in ihrer / seiner Muttersprache. Dies gibt einen Einblick, wo überall in der Welt die Bibel gelesen wird. Anschließend erzählt die / der jeweilige Vorleser/in etwas über das Land und die Kirche, aus der sie / er kommt — und wenn sie / er möchte, über die eigene persönliche Situation.

 

Zielgruppe

Die ganze christliche Gemeinde am Ort - ohne konfessionelle Unterschiede, da die Bibel Menschen unterschiedlicher Sprache, aber auch unterschiedlicher kirchlicher Tradition verbindet.

 

Umsetzung

Ökumene

Das Projekt kann Gemeinden verschiedener Muttersprache wie auch verschiedener Konfession verbinden, kann aber auch im „gewöhnlichen“ Sonntagsgottesdienst seinen Platz finden. Auch eine Kombination ist, über verschiedene Sonntage im Jahr verteilt, möglich.

 

Projektidee und -erfahrung

Im Jahr der Bibel hat die Evangelisch-lutherische Gemeinde im fränkischen Cadolzburg das Projekt unter dem Titel „Christen aus aller Welt – mitten unter uns“ durchgeführt. Zwei ehrenamtliche Mitglieder des Kirchenvorstands waren dafür verantwortlich:

Betty Birkmann und Luise Zempel. Frau Zempel steht für vertiefte Fragen zu dem Projekt zur Verfügung. Sie ist erreichbar über:

Evang.-Luth. Pfarramt Cadolzburg
Greimersdorfer Str. 15
90556 Cadolzburg
Fax: +49 9103 7689
E-Mail: ev.pfarramt-cadolzburg(at)gmx.de

 

Durchführung

Damit die Gemeinde das Gesamtprojekt im Blick hat, blieb das Jahr über eine große Weltkarte in der Kirche aufgehängt, auf der die jeweiligen Gäste mit einem Fähnchen ihr Herkunftsland markierten. So wurde im Laufe des Jahres immer deutlicher: Viele Völker – ein Buch. Ihre Bibeln in den jeweiligen Muttersprachen brachten die Gäste selbst mit.

Kirchenvorstandsmitglied Luise Zempel beschriebt zwei Beispiele für den Besuch ausländischer Mitchristen im sonntäglichen Gottesdienst:

Am Sonntag Laetare konnten wir einen arabischen Christen aus dem Irak bei uns im Gottesdienst begrüßen. Er brachte seine Frau und seinen etwa dreijährigen Sohn Marc-Matthew mit, der sehr unbekümmert vor allem mit den Konfirmandinnen Kontakt aufnahm. Herr Bakkal zog die Menschen, ob jung ob alt, schnell in den Bann seiner exzellenten Stimme: Er brachte nämlich seine Gitarre mit und sang zwei christliche Lieder aus seinem Land vor. Er wurde spontan mit herzlichem Applaus belohnt. Die Schriftlesung hielt er auf arabisch. Weil seine Frau besser Deutsch spricht als er, beantwortete sie die anschließenden Fragen aus der Gemeinde. Die besondere Dramatik an jenem Sonntag war, dass die Bomber über Iraks Städte flogen. So wollten wir wissen, ob das Ehepaar Bakkal noch Verwandte im Irak hätte. Sie erzählten von ihren Eltern in Bagdad, von Tanten in Basra und Kirkuk, genau jene umkämpften Städte, von denen wir im Fernsehen und im Radio hörten. Sehr viel Anteilnahme der Zuhörer war zu spüren.
„Für uns ist es eine Ehre, das Kreuz an einem Kettchen um den Hals zu tragen. Es ist keine Mode so wie hier“, sagte das Ehepaar Bakkal. „Wir sind stolz darauf, Christen zu sein, doch es ist nicht immer einfach, in einem islamischen Land wie dem Irak zu unserm Glauben zu stehen. Viele reagieren fanatisch auf das Kreuz, weil sie ihre Religion, den Islam, als die alleinig richtige ansehen, und sie beschimpfen und bedrängen uns. Wenn wir nach Arbeit suchen, sind wir zweite Wahl, zuerst kommen Muslime, dann wir. Doch ebenso gibt es die Vernünftigen, die die christliche Religion achten und die wir zu unseren Freunden zählen.“
Nachdem wir feststellten, dass gerade Abraham, der Stammvater der drei monotheistischen Weltreligionen (Judentum, Christentum und Islam) aus der Stadt Ur, die im heutigen Irak liegt, ausgewandert ist und er in den Büchern der drei Religionen sehr geachtet wird, holte uns das Weltgeschehen mit seinen Kämpfen wieder ein.

Zum Abschluss der fremdsprachigen Lesungen las uns Frau Elena Galea aus Malta am 2. Weihnachtsfeiertag die Weihnachtsgeschichte auf maltesisch vor. Wir konnten gut einige uns bekannte Worte aus der arabisch klingenden Landessprache dieser Mittelmeerinsel heraushören, wie z. B. David, Betlehem, Nazaret. Die maltesische Sprache entwickelte sich aus vielen Kulturen der zahlreichen Eroberer, hauptsächlich aus den Sprachen der Nachbarländer Italien und des arabischen Nordafrika. Frau Galea erzählte von dem Inselstaat und seinen unbewohnten kleinen St. Pauls Inseln, deren Namensgeber der Apostel Paulus war. Er strandete in Malta mit einem Schiff während seiner Überfahrt nach Rom. Seitdem, so erzählen die einheimischen Christen, gibt es dank der Predigt des Paulus das Christentum auf Malta. Trotz verschiedener Versuche mancher arabischen Herrscher und der Türken konnte Malta mit Hilfe des Johanniterordens („Malteser“) den islamischen Eroberern erfolgreich standhalten. Der Orden hat heute noch das achtspitzige Georgskreuz in seinem Wappen, das auch auf der maltesischen Fahne zu sehen ist.
Durch seine strategisch günstige Lage wurde Malta auch in den folgenden Jahrhunderten von verschiedenen Mächten zu erobern versucht, so von den Franzosen unter Napoleon. Als Reaktion darauf holten sich die Malten Hilfe von den Engländern, die wiederum Malta zu einer ihren Kolonien machten und die die längste Zeit Herrscher in Malta waren. Ihr Erbe ist die auf Malta weit verbreitete englische Sprache und der Linksverkehr auf den Straßen. Wegen dieser Zweisprachigkeit nutzen viele maltesische Christen englische Bibeln.

 

Ergebnis

Es konnten durch die besonderen Gottesdienste nicht nur die regelmäßigen Kirchgänger angesprochen werden, sondern es wurden auch viele andere Gemeindemitglieder erreicht. Gerade die Konfirmanden und andere Jugendliche erlebten die Gottesdienste mit den Gästen als sehr positiv. Durch regelmäßige Berichte (wie die beiden vorstehenden von Frau Zempel) im Gemeindeblatt wurden auch diejenigen, die nicht am Gottesdienst teilnahmen, informiert und neugierig gemacht. Barrieren, die zwischen ausländischen und einheimischen Christen oft allein aus sprachlichen Gründen bestehen, konnten überwunden werden.

 

Zurück zum Thema Gemeinde

  • Regionale Bibelzentren
  • Der DGB-Newsletter
  • Unterstützen Sie uns