
200 Jahre Deutsche Bibelgesellschaft
Die Deutsche Bibelgesellschaft feiert 200 Jahre Bibelkompetenz. Am 11. September 1812 gründeten Pfarrer, hohe Beamte und Kaufleute im Hause des Kaufmanns Tobias Heinrich Lotter am Stuttgarter Marktplatz die Württembergische Bibelanstalt. Karl Friedrich Adolf Steinkopf, gebürtiger Württemberger und Pfarrer der deutschen Auslandsgemeinde in London, bereiste 1812 im Auftrag der britischen Bibelgesellschaft das europäische Festland und fand als erstes in Stuttgart Unterstützung für sein Anliegen.

„Ein Fingerzeig Gottes“
Ein frommer Mann mit internationalen Beziehungen, theologisch gebildet und verwurzelt im pietistischen Württemberg: Mit Karl Friedrich Adolf Steinkopf fand die Britische und ausländische Bibelgesellschaft (BFBS) einen idealen Mann in der Funktion des Auslandssekretärs für den europäische Kontinent. Die Liebe zur Heiligen Schrift machte ihn zu einem erfolgreichen Gründer: Die Wurzeln der Deutschen und der Württembergischen Bibelgesellschaft führen auf ihn zurück.

Mit dem Tastsinn die Bibel lesen
„Ein besonderes Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Bibelanstalt bildet die Blindenbibel“, so heißt es 1912 in der Festschrift zur Jahrhundertfeier der Privilegierten Württembergischen Bibelanstalt. Bereits 1839 erschien in Stuttgart das erste Evangelium in einer Blindenschrift. 30 Exemplare des Lukasevangeliums wurden damals ausgeliefert. Es folgten 1844/45 die Psalmen und 1863 war die ganze Bibel für Blinde zugänglich. Die Württemberger engagierten sich als einzige deutsche Bibelgesellschaft so massiv für Blindenausgaben.

Treue gegenüber Luthers Sprache
Wie viel Veränderung verträgt ein Klassiker der deutschen Sprache? Und wie bleibt er auch für Menschen heute verständlich? Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers ist die klassische deutschsprachige Ausgabe der Heiligen Schrift. Sie ist in der revidierten Fassung von 1984 kirchenamtliche Übersetzung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Weg zu dieser Fassung zeigt, wie viel Abwägung nötig ist, um Luther, aber auch der heute verstandenen Sprache, gerecht zu werden.

Predigt und lutherische Theologie
Noch 1962 war die Festschrift zum 150. Jubiläum der Württembergischen Bibelanstalt voller Lob: „Rudolf Schäfer hat mit der Fülle seiner Federzeichnungen eine Deutung der biblischen Botschaft geschaffen, die aus einem tiefen Eindringen in die Wahrheit der Bibel erwuchs“. Schäfers Bilderbibel war in Deutschland die erfolgreichste illustrierte Bibelausgabe in den 1930er Jahren.

Der Ruf zur Einheit
Ob im Revolutionsjahr 1848 oder zur Reichsgründung 1971: Der Ruf nach einer einheitlichen deutschen Bibelgesellschaft erscholl immer wieder. Doch es dauerte lange bis die Deutsche Bibelgesellschaft gegründet werden konnte. Die Württembergische Bibelanstalt brachte sich als erfolgreichster deutscher Bibelverlag und Verlagshaus der wissenschaftlichen Bibelausgaben in die neue Stiftung ein.


