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„Ein Fingerzeig Gottes“

„Ein Fingerzeig Gottes“ - Pfarrer Steinkopf und die neue Welt der Bibelgesellschaften

Ein frommer Mann mit internationalen Beziehungen, theologisch gebildet und verwurzelt im pietistischen Württemberg: Mit Karl Friedrich Adolf Steinkopf fand die Britische und ausländische Bibelgesellschaft (BFBS) einen idealen Mann in der Funktion des Auslandssekretärs für den europäische Kontinent. Die Liebe zur Heiligen Schrift machte ihn zu einem erfolgreichen Gründer: Die Wurzeln der Deutschen und der Württembergischen Bibelgesellschaft führen auf ihn zurück. Er initiierte im deutschsprachigen Raum Bibelgesellschaften von Basel bis Altona, von Bremen bis Frankfurt und Nürnberg. Aber auch in den Niederlanden, Frankreich, Schweden und Dänemark war er aktiv.

Steinkopf wurde am 7. September 1773 in Ludwigsburg in Württemberg geboren. Sein Vater war Maler in der von Herzog Karl Eugen gegründeten Porzellanfabrik am Orte. Seine Mutter war die Tochter des Stuttgarter Antiquars Betulius. Die Großmutter regte ihn bei der Konfirmation dazu an, ein Tagebuch zu führen. „Er tat das bis wenige Tage vor seinem Tode“, hieß es später in den „Blättern für Württembergische Kirchengeschichte“. Das Tagebuch habe ihm dazu gedient, sich selbst zu überwachen und täglich Rechenschaft von seinem Haushalten zu tun. Doch leider seien die Tagebücher nach seinem Tod vernichtet worden.

In Stuttgart ging der junge Steinkopf auf das Gymnasium und von 1790 bis 1795 ließ er sich als Student des Tübinger Stifts zum Evangelischen Theologen ausbilden. Danach berief die Christentumsgesellschaft in Basel den jungen Mann zum Sekretär. Die Gesellschaft war unter Einfluss des Pietismus entstanden und wollte die christliche Wahrheit gegen andere Strömungen der Zeit verteidigen. Steinkopf fand ein Netz Gleichgesinnter, zu denen zum Beispiel der reformierte Theologe und Philosoph Johann Caspar Lavater sowie der Pietist Johann Heinrich Jung-Stilling aus dem Siegerland gehörten. In den fünf Jahren in Basel knüpfte er auch erste Kontakte nach England. Die Berufung an eine Gemeinde bei Linz in Österreich scheiterte allerdings, weil er der dortigen Regierung als „Fanatiker und Revolutionär“ galt.

Wie kann man die Bibel in der ganzen Welt verbreiten?


Doch für Steinkopf bot sich bald eine neue Chance: Die deutsche lutherische Kirche in der Savoy in London suchte einen Prediger. Auf Empfehlung der Tübinger Fakultät für Evangelische Theologie und nach einer Probepredigt trat er am 1. Advent 1801 sein Amt in England an. Dort suchte er auch sogleich die Verbindung zur britischen „Religious Tract Society“, die bereits Beziehungen zur Christentumsgesellschaft unterhielt. Steinkopfs Erfahrungen auf der britischen Insel gaben auch den Anstoß zur späteren Gründung der Basler Mission und ihrer Aktivität in den damaligen Kolonien.

Aus der der Londoner Traktatgesellschaft ging die BFBS hervor. Im Dezember 1802 berichtete ein  Pfarrer aus Wales der Traktatgesellschaft, wie wichtig es sei, biblische Schriften und günstige Bibeln in walisischer Sprache zu drucken. Dabei erzählte er auch die Geschichte von Mary Jones, einem walisischen Mädchen, das sich eine Bibel wünschte, aber keine bekommen konnte.

Die Gesellschaft ging einen Schritt weiter und fragte, wie man die Bibel in der ganzen Welt verbreiten kann. Die Bibelgesellschaft gründete sich im März 1804 in London und bestimmte den deutschen Pfarrer Steinkopf zum Auslandssekretär. Er setzte sich für eine interkonfessionelle Ausrichtung ein, die von Unitariern, Baptisten und Methodisten bis zu Anglikanern reichte. Noch während der Napoleonischen Kriege bereiste er den Kontinent. Dort unterstützte er auch die Verbreitung katholischer Bibelübersetzungen. Die erste größere Reise unternahm er 1812. Die Briten vertrauten ihm 2700 Pfund-Sterling für die Bibelverbreitung und die Gründung von Gesellschaften an.

Eine Bibelanstalt für die „ärmeren Volksklassen“ in Württemberg

Während der ersten Reise kam er auch nach Württemberg. Einen Monat hielt er sich bei seiner Familie in Stuttgart auf. Er sprach mit Persönlichkeiten wie dem Hofprediger Friedrich Gottlieb Süskind, dem Stuttgarter Stiftsprediger Karl Christian Flatt und dessen Bruder Professor Johann Friedrich Flatt. Steinkopf ging auf weitere Theologen, Kaufleute und hohe Beamte zu, die dann am 11. September 1812 einem Plan zur Gründung einer Bibelanstalt für das Königreich Württemberg einmütig zustimmten. Zweck der Neugründung war „die Verbreitung der Bibel unter den ärmeren Volksklassen im evangelischen Württemberg“. Nach London schrieb er, dass bei Unterstützung durch den württembergischen König die Stuttgarter Bibelanstalt zweifellos eine sehr aktive und nützliche Organisation werde.

Auf einer dritten Reise durch Europa 1820 konnte Steinkopf bereits 40 von ihm initiierte Bibelgesellschaften besuchen. Doch 1825 kam es zum Konflikt mit der Muttergesellschaft in London. In der BFBS setzte sich eine theologische Sicht durch, die die sogenannten Apokryphen nicht länger in Bibelausgaben dulden wollte, da sie nicht Gottes Wort seien. Das entsprach nicht der deutschen Tradition. Bücher wie Jesus Sirach oder das Buch Tobit sind nur in der frühen griechischen Übersetzung des Alten Testaments zu finden, aber nicht im hebräischen Kanon. Doch Martin Luther nannte sie zwar nicht der Heiligen Schrift gleich, „doch nützlich und gut zu lesen“. Steinkopf legte aufgrund dieser Auseinandersetzungen 1826 sein Amt nieder.

Steinkopf zog sich auf seine Gemeindearbeit in London zurück und unterstützte verschiedene Stiftungen wie die von ihm gegründete „Gesellschaft für notleidende Ausländer“. Zum 50. Jubiläum seiner Amtseinführung, am 1. Advent 1851, hielt er die Festpredigt. Im gleichen Jahr starb seine Frau. Der deutsche Theologe widmete sich auch danach der Gemeinde und der Predigt. Steinkopf starb 86-jährig am 29. Mai 1859 in London. In einem Bericht über seine Tätigkeit schrieb er 1816 auf die Frage „Was ist Bibelgesellschaft?“: „Sie ist ein Fingerzeig Gottes, dass alle Welt voll werden soll der Erkenntnis des Herrn“.