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Michelangelo

Michelangelo – der Maler der Sixtinischen Kapelle

Bibel mit Bilder von Marc Chagall

Menschen aus aller Welt reisen nach Italien, um sie zu bestaunen: die berühmten Fresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in der Vatikanstadt sind eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Der italienische Maler und Bildhauer Michelangelo schuf von 1508 bis 1512 zunächst die Deckenfresken. Sie zeigen in Form von acht Einzelszenen die Schöpfungsgeschichte. Zwischen 1534 bis 1541 entstand als Fresko für die Stirnwand über dem Altar der Kapelle ein weiteres Meisterwerk Michelangelos: „Das Jüngste Gericht“.

Michelangelo Buonarroti wird am 6. März 1475 im toskanischen Caprese geboren. Der Sohn eines Florentiner Beamten erhält bereits mit 13 Jahren Unterricht von Domenico Ghirlandaio in der Technik der Freskomalerei. Gleichzeitig beginnt er die Werke großer zeitgenössischer Künstler zu studieren. Die Beziehungen seiner Familie zum Herrscherhaus der Medici ermöglichen es dem Heranwachsenden, sich zum Bildhauer in den Mediceischen Gärten von San Marco ausbilden zu lassen. Lehrmeister ist der Begründer der dortigen Kunstschule Bertoldo di Giovanni.

Im Gespräch mit den Denkern seiner Zeit

Als Hausgast der Medici kommt Michelangelo früh in der „Platonischen Akademie” mit führenden Philosophen, Dichtern und Gelehrten seiner Zeit in Kontakt. Er lernt die Ideen des Neuplatonismus kennen, der antikes und christliches Gedankengut vereint. Als 1492 ein Gönner stirbt, lässt sich der junge Künstler zunächst in Venedig und Bologna nieder, wo er 1494 und 1495 mehrere Marmorstatuetten für die Kirche San Domenico schuf. Erstmals in Rom hält sich Michelangelo von 1496 bis 1501 auf. Er widmet sich besonders großformatigen Skulpturen.

1501 nach Florenz zurückgekehrt erschafft der Bildhauer im öffentlichen Auftrag das Hauptwerk seiner Frühzeit, die Marmorstatue des David. In einer monumentalen Größe von 4,34 Meter stellt er den Helden des Alten Testaments als einen muskulösen Athleten in höchster Konzentration unmittelbar vor der Tat dar. Die Überproportionierung von Kopf und Händen widersprich dem antiken Stilideal und betont den heroischen Gestus der Skulptur. Weitere bedeutende Werke dieser Zeit in Florenz sind die Marmorskulptur der Madonna mit Kind und das Rundbild der Heiligen Familie mit Johannes dem Täufer.

Papst Julius II. beruft den Künstler dann 1505 nach Rom und beauftragt ihn mit der Ausführung seines Grabmals. Erst 1545 wird dieses Projekt nach mehreren Unterbrechungen vollendet sein. Der ursprüngliche Entwurf sieht ein riesiges, frei stehendes Grabmal mit 40 Figuren vor. Realisiert wird nach dem Tod des Papstes 1513 nur eine erheblich reduzierte Variante.

„Das Jüngste Gericht“ – größtes Fresko der Renaissance

Doch 1509 beginnt der Maler mit der ebenfalls vom Papst in Auftrag gegebenen Deckenausmalung der Sixtinischen Kapelle. Die Arbeit beansprucht vier Jahre und stellt einen Höhepunkt im Schaffen des Künstlers dar. Kunsthistoriker betrachten die Darstellung mit großer Bewunderung: Die architektonische Gliederung, die gewagten perspektivischen Verkürzungen und die spannungsgeladene Kombination idealisierender und manieristischer Elemente erheben das monumentale Deckengemälde zu einem epochalen, richtungweisenden Kunstwerk.

Dynamisch in Szene gesetzt ist der Kontrast zwischen den Sehergestalten und Aktfiguren und den neun entfalteten Szenen der alttestamentliche Urgeschichte, darunter Gott trennt das Licht von der Finsternis, Gott und Adam, Gott und Eva, Ursünde und Vertreibung und die Sintflut.

Michelangelo geht 1534 wieder nach Rom und erschafft dort von 1536 bis 1541 für die Sixtinische Kapelle ein besonders monumentales Werk „Das Jüngste Gericht“, das größte Fresko der Renaissance. Es nimmt die gesamte Fläche der Altarwand ein und setzt anstelle der renaissancetypischen Perspektive auf eine unruhig-dynamische Raumauffassung. Die Zentralgestalt ist der richtende Christus. Darum bewegen sich die Seligen und die Verdammten.

1546 wird Michelangelo mit der Vollendung des Palazzo Farnese und der Bauleitung für den Petersdom betraut. Diese sieht er als bedeutendste Arbeit seines Lebens an und verzichtet auf ein Honorar. Drei Jahre später ernennt man ihn in Rom zum „Obersten Architekten von Sankt Peter”. Fertiggestellt wird das Bauwerk erst nach Michelangelos Tod am 18. Februar 1564 in Rom. Michelangelo wird auf eigenen Wunsch in Florenz bestattet.

RTM